Spannende Geschichte, gute Übersetzung, unsinniger Titel
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Alle meine Rezensionen ansehen Rezension bezieht sich auf: 100 Stunden: Der Biologie-Krimi (Gebundene Ausgabe) Der deutsche Titel "100 Stunden" ist völlig aus der Luft gegriffen. An keiner einzigen Stelle wird eine Frist von 100 Stunden auch nur erwähnt, und einen entsprechenden Countdown sucht man auch vergebens. Was sich die Übersetzer dabei gedacht haben, bleibt rätselhaft. Warum nicht "Der Duft des alten Adam" oder so ähnlich, näher am Originaltitel?

Dabei ist die Übersetzung aus dem Französischen größtenteils wirklich gelungen, durchwegs idiomatisches Deutsch, das man nicht als Übersetzung wahrnimmt. Zum Vergleich: kürzlich habe ich ein Buch von Fred Vargas in deutscher Übersetzung gelesen; da schimmerte das französische Original durch jeden Satz.

Das Buch ist spannend und gut geschrieben, auch ohne 100-Stunden-Countdown mitreißend bis zum Schluss. Die Motive der Täter sind in erschreckender Weise nachvollziehbar und logisch; das sind nicht einfach "die Bösen", die auf eigenen Profit aus sind.

Der Urvater der mörderischen Ideen des Buchs, Prof. Konrad Fritsch, wird in wirklich ätzender Weise geschildert als ein Deutscher oder Österreicher, der an einen evangelisch-lutherischen Pastor erinnert. Deutsche, Österreicher und evangelisch-lutherische Pastoren sind seit langem dankbare Objekte für ätzende Beschreibungen, weil sie international ganz ohne Lobby dastehen. Man stelle sich mal vor, der Autor hätte Fritsch zu einem - nein, das führe ich jetzt besser nicht aus.

In einem Punkt aber muss ich doch mal eine Kritik an der deutschen Übersetzung los werden. Die Stadt in Norditalien, wo sich Paul und Kerry mit Archie treffen und von ihm zurückgepfiffen werden, heißt Turin. Ja, klar, das ist der seit langem eingebürgerte deutsche Name von Torino. Wieso, verdammt noch mal, heißt dann die Stadt in Polen, wo der Einbruch in das Labor geschieht, Wroclaw? Auch diese Stadt hat einen seit Jahrhunderten gängigen deutschen Namen: Breslau. Was hätte im Weg gestanden, diesen deutschen Namen konsequent zu verwenden? Klar, die Stadt gehört zu Polen, ebenso wie Turin zu Italien, aber was für Turin recht ist, sollte für Breslau billig sein, oder?
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 10. Juni 2010
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